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Mein digitaler Fußabdruck und wie ich ihn verkleinern kann!
20/24: Vorsicht Greenwashing

Wikipedia definiert Greenwashing als „eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt.“ Genau das erlebt man leider täglich in Werbekampagnen, Firmenmitteilungen oder Posts in Sozialen Medien. Oft geschieht das auf sehr subtile und überzeugende Art und man braucht schon einige Erfahrung, um es zu durchschauen!

Ein einfacher Test für die Ernsthaftigkeit, mit der ein Unternehmen Nachhaltigkeit verfolgt, ist die Prüfung auf https://www.thegreenwebfoundation.org, ob die Webseite mit Ökostrom betrieben wird. Ihr werdet erstaunt sein, wie viele große Unternehmen dabei durchfallen! Ihr könnt auch im „Über uns“-Bereich der Homepage nachschauen, ob es dort eine Unterseite zum Thema Nachhaltigkeit gibt. Google hat den Hinweis mit umfangreichen Informationen dazu sogar direkt auf der Startseite eingebaut, aber das macht man natürlich nur als Vorreiter. Und wenn Ihr viel Zeit habt, dann werft bei großen Unternehmen einen Blick in den jährlichen Nachhaltigkeitsbericht (Beispiel Henkel).

Warum ist es so wichtig, beim Thema Nachhaltigkeit so genau hinzuschauen?

Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Um den Klimawandel aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, haben wir prinzipiell drei Optionen, wenn wir über die Freisetzung von CO2 und anderen Treibhausgasen reden:

  • Reduktion
  • Substitution
  • Kompensation

Um das Thema Reduktion bei der Internet-Nutzung dreht sich diese Artikelserie. Da die Politik dieses Thema leider überhaupt nicht auf dem Radar hat, kann dies eigentlich nur auf Eigeninitiative von problembewussten Nutzern erfolgen. Denn unbegrenzte Flatrates bringen die breite Masse nicht dazu, ihren Datentransfer zu analysieren und idealerweise zu reduzieren, obwohl es an vielen Stellen gar nicht schwer umzusetzen ist. Und eine regulierende CO2-Steuer gibt es bisher nur auf fossile Treibstoffe und nicht für Datentransfer oder Ressourcenverbrauch im Internet.

Beispiele für Substitution sind der Umstieg auf Ökostrom im privaten Bereich und für Euren eigenen Webseiten. Oder Ihr könnt zu Online-Dienstleistern wechseln, die Ihre Server mit Ökostrom betreiben (z.B. Videokonferenz-Software, Clouds). Ich würde den Umstieg von einem konventionellen Festnetzanschluss auf Glasfaser oder den Austausch eines älteren Smartphones mit LTE-Netz durch ein Gerät auf Basis des energieeffizienteren 5G-Netz dazuzählen. Dabei muss man in die Gesamtbilanz aber immer auch die Emissionen für die Herstellung und die spätere Entsorgung einbeziehen, um eine ehrliche Rechnung zu machen.

Bei der Substitution durch technisch bessere Systeme kommt es sehr oft zu sogenannten „Rebound-Effekten“. Das heißt, dass die ursprünglichen Einsparungen durch Mehrnutzung im ungünstigsten Fall sogar deutlich überkompensiert werden. Man denke nur an die Unmöglichkeit von Video-Streaming mit einem 56K-Modem ...

Kompensation ist eigentlich nur dann angebracht, wenn es keine Möglichkeit gibt, CO2-Emissionen zu reduzieren oder zu substituieren. Beispiele sind die Nutzung von Webseiten, die mit konventionellem Strom betrieben werden oder auch der Datentransfer von einem Endgerät zur betrachteten Webseite, bei dem immer irgendwo konventioneller Strom im Spiel ist.

Oft erfolgt die Kompensation durch Ausgleichszahlungen für Aufforstprogramme, Investitionen in Projekte zur Minderung von Klimawandelfolgen oder einfach nur durch den Erwerb von CO2-Zertifkaten, die anderswo auf der Welt nicht in Anspruch genommen werden. Außerdem muss man bedenken, dass unsere aktuellen Emissionen über solche Programme immer zeitversetzt oder erst in Jahren oder Jahrzehnten reduziert werden, wenn die gepflanzten Bäume dann überhaupt noch existieren. Das hilft uns bei der Erreichung der Klimaziele für das Jahr 2030 leider nicht, auch wenn es die bequemste Art für viele Unternehmen ist, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Wahrscheinlich lassen sich solche Zahlungen noch von der Steuer absetzen, aber sie tragen nur wenig bis gar nichts dazu bei, unsere CO2-Emissionen zu senken, wenn es die einzigen Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit sind. Und das ist dann nichts weiter als Greenwashing und sollte daher von jedem offen kritisiert werden!

Am 21. Dezember geht es weiter mit dem Thema "Radio hören".


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