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Mein digitaler Fußabdruck und wie ich ihn verkleinern kann!
16/24: Nachhaltige Angebote

Wann ist eine Webseite bzw. die dahinterstehende Organisation, Firma, Person nachhaltig? Die Antwort darauf ist nicht trivial. Die meistverwendete Definition ist die recht allgemein gefasste Aussage der damaligen Norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland aus dem Jahr 1987: "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende."

Das lässt natürlich sehr viel Gestaltungs- und Interpretationsspielraum. Da wir wissen, dass die Zunahme der CO2-Konzentration in der Luft direkt mit der globalen Temperaturerhöhung korreliert, ist aus meiner Sicht alles nachhaltig, was diesen Wert nicht erhöht und im Idealfall sogar senkt.

Für eine Webseite bedeutet vollständige Nachhaltigkeit, dass der Server, auf dem sie liegt, mit Ökostrom betrieben wird und die gesamte Konfiguration sowie Webdesign auf minimale Datenübertragung optimiert ist. Aber was ist mit dem Bau des Rechenzentrums oder der Warten der Server und der Infrastruktur? Was ist mit den verbauten Rohstoffen, deren Verarbeitung und dem Recycling beim Austausch? An diesem Beispiel seht Ihr das generelle Problem: Wir können immer nur einen Teil des gesamten Prozesses nachhaltig gestalten und müssten den Rest beispielsweise über Ausgleichsprogramme wie die von ClimatePartner oder atmosfair ausgleichen, um nur zwei von vielen Optionen zu nennen. Diese Unternehmen investieren damit in Aufforstprogramme und Klimaprojekte in Entwicklungsländern, oder inzwischen auch in den deutschen Wald, der auch unter dem Klimawandel und dessen Folgen leidet und seine Aufgabe als CO2-Speicher immer schlechter erfüllen kann.

Das gleiche gilt für unsere lokale Infrastruktur und deren Herstellungs-, Betriebs- und Entsorgungskosten. Selbst wenn wir privat unseren eigenen Strom mit einer Solaranlage produzieren, entstehen immer noch CO2-Emissionen durch den Fluss der Daten zu einem Webserver und dessen Betrieb. Darauf haben wir bisher nur wenig Einfluss, weil dafür auch in großen Konzernen, die viel von Nachhaltigkeit reden, oft noch gar kein Bewusstsein für den Anteil des Internets an der Gesamtproblematik besteht. Schätzungsweise 16 Prozent des gesamten Stromverbrauchs gehen auf das Konto von Rechenzentren und 16 Prozent auf die gesamte Netzwerkinfrastruktur.

Manche Unternehmen könnten jetzt auf die Idee kommen, alle selbst verursachten Emissionen über Kompensationsprogramme auszugleichen. Dadurch werden aber letztlich nur nicht benötigte CO2-Kontingente von Entwicklungsländern genutzt, zur globalen Reduktion der Treibhausgaskonzentration in der Luft leistet das nur einen sehr kleinen Beitrag. Hier sieht man sich schnell dem Vorwurf des "Green Washing" ausgesetzt, dem wir noch einen eigenen Beitrag widmen werden.

Letztlich können wir immer nur alle Prozesse und Abläufe analysieren und versuchen, den Strom- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren, so wie ich es in den bisherigen Folgen beschrieben habe. Und wenn es Emissionen außerhalb unseres Einflussbereichs gibt (z.B. Infrastruktur, Rechenzentren) dann sind Kompensationsmaßnahmen eine sinnvolle Option.

Dafür brauchen wir dann aber noch bessere Kalkulatoren für unseren digitalen Fußabdruck, um unsere CO2-Emissionen genauer abschätzen zu können. Unser Internet-Router könnte dann am Monatsende melden: "Wenn Du die entstandenen CO2-Emissionen kompensieren willst, dann überweise 12 Euro an folgendes Klimaprojekt!". Klingt doch gut, oder?

Am 17. Dezember geht es weiter mit dem Thema "Datenhygiene".


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