
Digitalkapitalismus, Datenschutz und Nachhaltigkeit: Warum "kostenlos" im Internet selten umsonst ist
Viele der beliebtesten Internetdienste wirken auf den ersten Blick kostenlos. Messenger, soziale Netzwerke oder Cloud-Dienste kosten nichts – zumindest kein Geld. Doch der eigentliche Preis sind oft unsere Daten. In Zeiten von Plattformökonomie, KI und datengetriebenen Geschäftsmodellen lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie Digitalkapitalismus funktioniert und welche Alternativen es gibt.
In dieser Podcastfolge spreche ich mit dem Techniksoziologen Dr. Felix Sühlmann-Faul über die Macht großer Plattformen, über Datenschutz als Nachhaltigkeitsthema und über eine neue Idee: den sogenannten PrivaScore – eine Kennzahl, die das Datenschutzniveau von Apps und Online-Diensten transparent bewerten soll. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
Worum es in dieser Podcastfolge geht
Digitale Plattformen prägen heute unseren Alltag. Viele Menschen nutzen Messenger, Suchmaschinen oder Social-Media-Plattformen selbstverständlich – oft ohne sich bewusst zu machen, welche Daten dabei gesammelt werden und welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen.
Im Gespräch mit Dr. Felix Sühlmann-Faul geht es deshalb um zentrale Fragen unserer digitalen Gesellschaft: Wie ist Digitalkapitalismus entstanden? Warum fällt es uns so schwer, Plattformen zu verlassen? Und wie können Nutzer wieder mehr Kontrolle über ihre Daten gewinnen?
Besonders spannend: Felix hat mit dem PrivaScore ein Bewertungssystem entwickelt, das Datenschutz bei digitalen Diensten verständlicher machen soll.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Episode
- Warum sind viele Internetdienste kostenlos – und was ist der wahre Preis?
- Welche Rolle spielen Netzwerkeffekte dabei, dass wir Plattformen kaum verlassen können?
- Warum ist Datenschutz auch ein Thema der Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit?
- Wie funktioniert der PrivaScore als unabhängige Kennzahl für Datenschutz?
- Welche Kriterien entscheiden darüber, ob ein Messenger datenschutzfreundlich ist?
Warum Datenschutz ein Nachhaltigkeitsthema ist
Digitale Nachhaltigkeit wird häufig nur mit Energieverbrauch oder CO₂-Emissionen von Rechenzentren verbunden. Doch das greift zu kurz.
Datenschutz hat ebenfalls eine langfristige Dimension. Wenn wir heute sorglos mit unseren Daten umgehen, entsteht eine digitale Infrastruktur der Überwachung und Datensammlung, die sich später kaum wieder zurückdrehen lässt.
Felix beschreibt es im Gespräch sehr treffend: Was wir heute an Datenpreisgabe normalisieren, kann zukünftige Generationen in ihren Freiheitsrechten einschränken. Nachhaltigkeit bedeutet also nicht nur ökologische Verantwortung, sondern auch gesellschaftliche und demokratische Resilienz.
Der PrivaScore: Datenschutz so einfach wie ein Nutri-Score
Die meisten Menschen lesen keine Datenschutzerklärungen – und selbst wenn, sind sie oft schwer verständlich. Genau hier setzt der PrivaScore an.
Die Idee: Datenschutz soll so einfach bewertet werden können wie Lebensmittel im Supermarkt mit dem Nutri-Score.
Dazu werden Apps und Dienste anhand verschiedener Kriterien bewertet, zum Beispiel:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Umgang mit Metadaten
- Offener oder überprüfbarer Quellcode
- Möglichkeiten zur Anonymisierung
- Datensparsamkeit und Transparenz
Aus diesen Faktoren entsteht eine Gesamtbewertung, die Nutzer schnell zeigt, welche Dienste besonders datenschutzfreundlich sind.
Langfristig soll der PrivaScore auch auf weitere Kategorien ausgeweitet werden – etwa Browser, Cloud-Dienste oder VPN-Anbieter.
Persönlicher Gedanke aus dem Gespräch
Mich persönich haben Bücher wie "Permanent Record" von Edward Snowden oder "World Wide Waste" von Gary McGovern stark geprägt und meinen kritischen Blick auf Plattformen und Digitalisierung geschärft. Das Buch von Felix bestätigt vieles davon-
Fazit: Digitale Verantwortung beginnt bei unseren Entscheidungen
Digitalkapitalismus ist kein abstraktes Konzept – er prägt unseren Alltag. Jede App, jede Plattform und jeder Dienst ist Teil eines Systems, das auf Daten basiert.
Die gute Nachricht: Wir können bewusster entscheiden, welche Dienste wir nutzen. Transparenzinstrumente wie der PrivaScore sind ein wichtiger Schritt, um digitale Selbstbestimmung zurückzugewinnen.
🎧 Jetzt Podcastfolge anhören
🎵 Jetzt Folge anhören auf Podigee, in deiner Podcast-App oder bei YouTube. Und melde dich gleich auch bei der kostenlosen "Web, But Green!" Akademie und abonniere meinen wöchentlichen Newsletter "Web, But Green!" Flash.
FAQ: Digitalkapitalismus und Datenschutz
Was bedeutet Digitalkapitalismus?
Digitalkapitalismus beschreibt ein Wirtschaftssystem, in dem digitale Plattformen und Daten zentrale Ressourcen darstellen. Unternehmen generieren Gewinne vor allem durch Datensammlung, Plattformökonomie und algorithmische Auswertung.
Warum sind kostenlose Internetdienste problematisch?
Viele kostenlose Dienste finanzieren sich über personalisierte Werbung und Datenanalyse. Nutzer zahlen daher nicht mit Geld, sondern mit persönlichen Informationen.
Was ist der PrivaScore?
Der PrivaScore ist ein Bewertungssystem für Apps und Online-Dienste. Es zeigt transparent, wie datenschutzfreundlich ein Dienst ist.
Warum gehört Datenschutz zur digitalen Nachhaltigkeit?
Weil Dateninfrastrukturen langfristige gesellschaftliche Auswirkungen haben. Wenn Datensammlung zur Normalität wird, lassen sich Überwachungssysteme später nur schwer zurückbauen.
Wie kann ich meine Daten im Internet besser schützen?
Zum Beispiel durch datenschutzfreundliche Messenger, alternative Suchmaschinen, bewusste Plattformwahl und regelmäßige Überprüfung gespeicherter Daten bei Online-Diensten.
Du hast Fragen oder Feedback zur Folge?
Schreib mir gerne per , vernetze Dich mit mir auf LinkedIn oder vereinbare einen kostenlosen und unverbindlichen virtuellen Kaffee. Ich freue mich auf den Austausch!
- Der goldene Käfig des Digitalkapitalismus - Nichts kostet mehr als kostenlos, Felix Sühlmann-Faul, Oekom Verlag 2024, ISBN 978-3-98726-079-7
- PRIVA SCORE - Der Nutri-Score für Digitales.
- Information Technology and Sustainability, Lorenz M. Hilty, BoD 2008, ISBN: 978-3-83701-970-4
Kontakt Dr. Torsten Beyer:
