
Energiefresser Internet: Wie viel Strom verbraucht unsere digitale Welt wirklich?
Das Internet ist unsichtbar – aber sein Energieverbrauch ist es nicht. In Zeiten von Klimakrise, KI-Boom und Streaming-Exzessen stellt sich eine unbequeme Frage: Wie viel Strom verbraucht unsere digitale Welt eigentlich?
In dieser Episode von "Web, but Green!" spreche ich mit dem Digitalexperten und Buchautor Jörg Schieb über sein Buch "Energiefresser Internet" – und über eine Entwicklung, die viele komplett unterschätzen.
Warum ist das Thema Energiefresser Internet heute so relevant?
Streaming, Cloud, KI, Kryptowährungen – all das wächst rasant. Rechenzentren schießen wie Pilze aus dem Boden. Studien prognostizieren jährliche Wachstumsraten von 10–20 % beim Energieverbrauch digitaler Infrastruktur.
Gleichzeitig sprechen wir gesellschaftlich über SUVs, Flugreisen oder Fleischkonsum – aber kaum über den CO2-Fußabdruck unseres digitalen Alltags.
Genau hier setzt diese Folge an.
Worum geht es in der Episode?
Gemeinsam mit Jörg Schieb machen wir einen historischen Schnelldurchlauf durch 55 Jahre Internetgeschichte – vom militärischen Forschungsnetz der 1960er Jahre bis zu KI-generierten Videos in Echtzeit.
Wir sprechen darüber, warum das Internet heute zu den größten Stromverbrauchern der Welt gehört – und weshalb viele Menschen das Thema gar nicht auf dem Radar haben.
Besonders relevant ist diese Folge für:
- Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad
- Agenturen und Webentwickler
- Verantwortliche für Nachhaltigkeitsberichte
- Bildungseinrichtungen
- alle, die Streaming und KI intensiv nutzen
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch
- Streaming ist der SUV des Internets. Rund 80 % des weltweiten Datenverkehrs entfallen auf Video. Eine Stunde Streaming in Full-HD verbraucht ca. 200–300 Wattstunden.
- E-Mails sind vergleichsweise harmlos. Der gesamte monatliche E-Mail-Verkehr eines Durchschnittsnutzers entspricht energetisch etwa 20 Minuten auf dem Ergometer.
- KI-Training ist extrem energieintensiv. Während die Nutzung moderat ist, verschlingt das Training großer Modelle enorme Strommengen.
- Effizienz ist verloren gegangen. Früher war Programmierung ressourcenschonend – heute werden Bibliotheken mit Hunderten Megabyte eingebunden.
- Der Rebound-Effekt wirkt auch digital. Je einfacher und günstiger Inhalte verfügbar sind, desto mehr werden sie konsumiert.
Warum ist das Internet so energiehungrig geworden?
In den Anfangsjahren war das Netz elitär und langsam. Heute ist es allgegenwärtig, hochauflösend und permanent verfügbar. Flatrates entkoppeln Nutzung vom Preis. Effizienz wird selten belohnt.
Dazu kommt: Hardware ist ebenfalls Energie. Herstellung, Lieferketten, seltene Erden, globale Produktion – all das gehört zur digitalen Klimabilanz dazu.
Mein persönlicher Gedanke aus dem Gespräch
Mich hat besonders das Bild vom "Ergometer-Internet" berührt. Wie lange müssten wir strampeln, um unser Streaming selbst zu erzeugen? Diese Vorstellung macht Energie endlich greifbar. Und ich merke immer wieder: Viele wissen schlicht nicht, dass ihre Website, ihre Cloud oder ihr Videokonsum überhaupt einen CO2-Fußabdruck haben.
Wie geht es weiter?
Digitalisierung kann Energie sparen – aber nur, wenn wir sie bewusst gestalten. Grüne Rechenzentren, transparente CO2-Bilanzen und effizient programmierte Websites sind keine Kür mehr, sondern Pflicht.
Das Internet wird weiter wachsen. Die Frage ist: Wächst es nachhaltig?
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FAQ: Energiefresser Internet
Wie viel Strom verbraucht das Internet weltweit?
Schätzungen gehen davon aus, dass Rechenzentren, Netzwerke und Datenübertragung mehrere Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen – Tendenz stark steigend.
Was verbraucht mehr Energie: E-Mail oder Streaming?
Streaming ist um ein Vielfaches energieintensiver. Video macht etwa 80 % des weltweiten Datenverkehrs aus.
Ist KI schlecht für das Klima?
Vor allem das Training großer Modelle benötigt enorme Energiemengen. Die Nutzung einzelner Anfragen ist deutlich weniger energieintensiv.
Kann Digitalisierung auch CO2 sparen?
Ja, etwa durch optimierte Verkehrssteuerung oder weniger Geschäftsreisen. Allerdings führt der Rebound-Effekt oft zu Mehrverbrauch.
Was kann ich konkret tun?
Videoqualität reduzieren, grüne Hosting-Anbieter wählen, Websites effizient gestalten und bewusster digital konsumieren.
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