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CLBInternet für Chemie und Labor - Teil 6: Literaturbeschaffung
Dr. Torsten Beyer, Saarbrücken
Chemie in Labor und Biotechnik 50 (1999) 19-20

Primär ist das Internet ein globaler Pool elektronischer Informationen. Da aber immer mehr gedruckte Informationen auch online verfügbar sind, eignet sich das Internet auch hervorragend zur Beschaffung von Literatur.

Wir sind heute noch weit davon entfernt, Bücher und Zeitschriften ausschließlich am Bildschirm zu lesen, und ob es jemals so weit kommen wird, ist eher fraglich. Es lassen sich aber über das Internet heute schon viele Informationen sehr schnell und kostengünstig beschaffen, die dann entweder direkt elektronisch weiterverarbeitet oder ausgedruckt werden können.

Viele Fachzeitschriften sind mittlerweile auch im Internet vertreten. Die vorhandenen Informationen variieren allerdings sehr stark: Teilweise erhält man nur allgemeine Informationen zur Zeitschrift, meistens können aber zumindest die Inhaltsverzeichnisse oder sogar die Abstracts der Artikel eingesehen und durchsucht werden. In der Regel sind nur Daten ab 1994, dem "Geburtsjahr" des Internetbooms, verfügbar. Die Volltextartikel liegen im HTML oder sehr oft im PDF-Format (= Portable Document Format) vor und sind natürlich kostenpflichtig. Das PDF-Format erlaubt im Gegensatz zu HTML eine originalgetreue Übernahme des Layout von Dokumenten und ist daher im Internet sehr weit verbreitet. Die entsprechende Software zum Lesen solcher Dokumente, der Acrobat Reader®, kann kostenlos als Plug-In für den Web-Browser oder als Stand-Alone-Programm auf der Homepage der Firma Adobe heruntergeladen werden.

Daneben bieten die Online-Versionen einiger Zeitschriften kostenlos zusätzliche Informationen wie z. B. Strukturdaten zum Download an, die aufgrund von Platzmangel nicht abgedruckt werden konnten. Auch gibt es inzwischen einige reine E-Zines (Electronic Journals), die gar nicht mehr in gedruckter Form erscheinen und die Möglichkeiten des Internets voll ausschöpfen (Links zu anderen Dokumenten, Animationen, Simulationen, VRML = Virtual Reality Modelling Language, eine Programmiersprache zur Generierung virtueller Welten). In Tabelle 1 sind URLs von Internet-Diensten angegeben, die Informationen über Online-Zeitschriften bereithalten.


Tabelle 1: Internet-Adressen mit Übersichten über Online-Zeitschriften

Verzeichnis lieferbarer Zeitschriften VLZ (auch VLB, VLE) http://www.buchhandel.de
SciFinder www.cas.org/SCIFINDER/SCHOLAR
Cadmus Journal Services www.edoc.com/ejournal/


Wer nur ganz bestimmte Zeitschriften verfolgt, kann sich so teilweise den Gang in die Bibliothek oder die teure Recherche in kommerziellen Datenbanken sparen. Das Problem besteht dann nur noch darin, an die Volltext-Artikel heranzukommen. Hier gibt es den klassischen Weg über Bibliotheken, das Abonnement elektronischer Zeitschriften direkt bei den Verlagen oder eine Bestellung über sogenannte Dokumentlieferdienste, von denen noch die Rede sein wird. Abonniert man ein "Electronic Journal" direkt beim Verlag, so ist dies meist nur in Verbindung mit der Printversion möglich und dadurch sehr teuer. Zudem können einzelne Zeitschriftenartikel bislang nicht über die Verlage bezogen werden.


Dokumentbeschaffungsdienste

Dienstleister, über die man einzelne Artikel aus Zeitschriften oder Büchern direkt bestellen kann, werden immer interessanter (Tabelle 2), da die Bibliotheken wegen Geldmangel viele Zeitschriften nicht mehr direkt vorhalten können. Hier ist insbesondere "subito" erwähnenswert, ein Service des Deutschen Bibliothekinstituts in Berlin. Hier kann man relativ günstig und schnell einzelne Artikel oder auch ganze Bücher online bestellen (gedruckt, als Fax oder per Mail). Wenn sich solche Dienste etablieren können, werden sie bald eine ernstzunehmende Gefahr für die Existenz kleinerer Verlage sein, da diese dann weniger Zeitschriften verkaufen können.


Tabelle 2: Dokumentbeschaffungsdienste (Auswahl)

Chemport https://chemport.fiz-karlsruhe.de
ChemWeb http://www.chemweb.com
Subito https://www.subito-doc.de
Uncover uncweb.carl.org


Online-Buchhandlungen

Auch im Buchhandel zeichnen sich dramatische Veränderungen ab. Über einen Händler wie "amazon" (Tabelle 3) kann in einem Pool von mehreren Millionen Büchern recherchiert und auch gleich online bestellt werden Kein Buchladen der Welt verfügt über ein solch großes Sortiment. Online-Buchhandlungen werden die klassische Buchhandlungen sicher nie ersetzen können, da viele Kunden vor dem Kauf erst in einem Werk blättern oder auch beraten werden wollen. Ein Teil des Geschäfts, insbesondere mit Fachliteratur, wird sich aber sicherlich ins Internet verlagern und so Arbeitsplätze im Buchhandel gefährden.


Tabelle 3: Online-Buchhandlungen (Auswahl)

amazon.de https://www.amazon.de
buecher.de https://www.buecher.de
Buch.de AG http://www.buch.de
buch + medien ONLINE https://www.buchhandel.de
buchkatalog.de (KNO) https://www.buchkatalog.de


Fazit

Das Internet ergänzt die klassischen Wege über Bibliotheken und kommerzielle Hosts zur Beschaffung von Fachliteratur. Man kann über die Homepages der Verlage interessante Publikationen finden und diese dann direkt über Dokumentbeschaffungsdienste ordern. So kann man zum einen schneller als über Bibliotheken an Literatur herankommen und zum anderen kostenpflichtige Recherchen teilweise einsparen. Zukünftig wird die Beschaffung von Literatur sicher zu einem immer größeren Teil via Internet erfolgen, wenn die Abrechnung für das Laden einzelner Dokumente ("Pay on Demand") zufriedenstellend geregelt sein wird.

Der nächste Teil dieser Serie wird sich mit frei verfügbarer Literatur für den Laborbereich näher beschäftigen.